Unabhängig & gerichtsfest
Zurück zu allen Ratgebern
Ratgeber

Schadenkalkulation verstehen: DAT, Audatex und die Zahlen im Gutachten.

Arbeitswerte, UPE-Aufschläge, Lackierstufen: Wie eine Kfz-Schadenkalkulation aufgebaut ist, welche Systeme Sachverständige nutzen und wo Versicherer typischerweise ansetzen.

Mirdit Behluli3 Min. Lesezeit
Schadenkalkulation verstehen: DAT, Audatex und die Zahlen im Gutachten

Der Kalkulationsteil eines Schadengutachtens wirkt auf den ersten Blick wie eine Wand aus Kürzeln und Zahlen. Dabei folgt er einer klaren Logik. Wer sie kennt, erkennt sofort, an welcher Stelle eine Versicherung später kürzen wird — und ob die Kürzung technisch trägt.

Womit kalkuliert wird

Sachverständige und Werkstätten arbeiten mit herstellergestützten Kalkulationssystemen. Sie enthalten für jedes Modell die Ersatzteilnummern, die Preise und die vom Hersteller vorgegebenen Arbeitszeiten. Die beiden verbreiteten Systeme im deutschen Markt sind DAT und Audatex; für die Fahrzeugbewertung kommen Marktdatenbanken wie DAT und Schwacke hinzu.

Entscheidend ist: Der Sachverständige erfindet keine Zahlen. Er ordnet das Schadenbild den Positionen des Systems zu. Diskutieren lässt sich über den Umfang — also welche Bauteile betroffen sind und ob instandgesetzt oder erneuert wird —, kaum über die hinterlegten Werte selbst.

Die Bausteine einer Kalkulation

  • Arbeitswerte (AW): Zeiteinheiten für Demontage, Instandsetzung und Montage, vom Hersteller vorgegeben. Multipliziert mit dem Stundenverrechnungssatz der Werkstatt.
  • Stundenverrechnungssätze: getrennt nach Mechanik, Karosserie und Lack — regional unterschiedlich. Dazu Stundenverrechnungssatz und Werkstattbindung.
  • Ersatzteile: zum Listenpreis des Herstellers, teils zuzüglich UPE-Aufschlag — dem regional üblichen Aufschlag der Werkstatt auf die unverbindliche Preisempfehlung.
  • Kleinersatzteile: pauschaler Prozentsatz für Clips, Schrauben, Dichtungen.
  • Lackierung: nach Lackierstufen und Materialindex, abhängig von Lackart — Uni, Metallic, Perleffekt — und Bauteilgröße.
  • Beilackierung: Angleichung angrenzender Flächen, technisch bei Effektlacken meist unverzichtbar. Siehe Lackschaden-Gutachten.
  • Verbringungskosten: Transport zur Lackiererei, wenn die Werkstatt keine eigene betreibt.
  • Nebenarbeiten: Achsvermessung, Kalibrierung von Assistenzsystemen, Probefahrt, Fehlerspeicher auslesen.

Instandsetzen oder erneuern?

Die folgenreichste Entscheidung der Kalkulation. Maßgeblich sind die Herstellervorgaben: Bei bestimmten Bauteilen — hochfeste Stähle, Aluminiumkomponenten, sicherheitsrelevante Träger — ist eine Instandsetzung untersagt, der Austausch also zwingend. Bei anderen ist das Richten wirtschaftlich und technisch sinnvoll.

Versicherer setzen hier gern an und rechnen Instandsetzung statt Austausch. Ob das zulässig ist, entscheidet nicht der Preis, sondern die Reparaturvorgabe des Herstellers.

Warum Assistenzsysteme die Kosten treiben

Ein Stoßfänger ist heute Träger von Radarsensoren, Kameras, Ultraschallgebern. Nach jedem Eingriff sind Kalibrierungen erforderlich, teils mit Zieltafeln und Prüffahrt. Diese Positionen sind keine Zusatzwünsche, sondern Voraussetzung dafür, dass Notbremsassistent und Spurhaltung wieder funktionieren. Werden sie gestrichen, ist die Reparatur nicht fachgerecht — und im Zweifel sicherheitsrelevant.

Was die Kalkulation nicht enthält

Die Kalkulation beziffert die Reparatur. Nicht enthalten sind die übrigen Schadenpositionen, die im Gutachten getrennt ausgewiesen werden:

Verdeckte Schäden

Eine Kalkulation beruht auf dem sichtbaren Befund. Was erst bei der Demontage zutage tritt — verzogene Träger, gerissene Halterungen, beschädigte Leitungssätze —, ist darin nicht enthalten. Deshalb enthalten Gutachten regelmäßig einen Vorbehalt für verdeckte Schäden, und deshalb ist eine reine Fotoprüfung ohne Besichtigung keine gleichwertige Grundlage.

Begutachtung im Ruhrgebiet

Das KFZ-Sachverständigenbüro MBM kalkuliert Schäden herstellergestützt und nachvollziehbar in Dortmund, Essen, Bochum, Gelsenkirchen, Herne, Recklinghausen, Castrop-Rauxel, Witten, Hagen, Hamm, Oberhausen, Duisburg und Düsseldorf — mit vollständiger Positionsliste, die einer Nachprüfung standhält.

FAQ Schadenkalkulation

Was ist ein Arbeitswert?

Eine vom Hersteller vorgegebene Zeiteinheit für einen bestimmten Arbeitsschritt. Sie wird mit dem Stundenverrechnungssatz der Werkstatt multipliziert.

Sind UPE-Aufschläge zulässig?

Sie sind regional üblich und werden bei konkreter Reparatur nach Rechnung regelmäßig erstattet. Bei fiktiver Abrechnung werden sie häufiger bestritten.

Warum weicht der Kostenvoranschlag der Werkstatt vom Gutachten ab?

Meist wegen unterschiedlicher Annahmen zu Reparaturweg, Lackierumfang und Nebenarbeiten. Die Systeme selbst liefern dieselben Grunddaten.

Kann ich Positionen aus der Kalkulation streichen lassen?

Bei fiktiver Abrechnung entscheiden Sie selbst, was Sie tatsächlich reparieren. Für die Höhe des Anspruchs bleibt die fachgerechte Kalkulation maßgeblich — siehe fiktive Abrechnung.

Rechnet der Sachverständige zugunsten des Auftraggebers?

Nein. Ein Gutachten muss neutral und nachprüfbar sein — überhöhte Ansätze fallen bei der Prüfung sofort auf und schwächen den gesamten Anspruch.

Sie brauchen ein belastbares Gutachten? MBM KFZ-Sachverständigenbüro, Mirdit Behluli: Tel. +49 163 7805827, E-Mail: info@kfzgutachter-experte.de — Begutachtung im gesamten Ruhrgebiet, auf Wunsch bei Ihnen vor Ort.

Frage zum Thema?

Wir helfen persönlich.

Sie wollen Ihren Vorgang von Profis übernehmen lassen? Wir machen Zulassung, Abmeldung und alles drum herum.